"Who am I" - Einer Frage auf der Spur

"Who am I?" - Eine nichtige Persönlichkeit!? 

Am Anfang dieser Woche war ich krank. Morgens wachte ich mit einer "Aura" auf und verbrachte den Rest des Tages zwischen Toilette und Bett. Der schlimmste Peiniger in dieser Situation war nicht der Mann mit dem Hammer in meinem Kopf oder mein von Übelkeit geplagter Magen, sondern die Stimme in mir, die mir erzählte, dass ich nicht krank sein dürfe, dass ich ein schlechter Mensch sei. Eine schlechte Kollegin. Eine schlechte Lehrerin. In der Folge fühlte ich mich natürlich noch elender. Der Druck in meiner Brust erzeugte neuen Druck in meinem Kopf und am Abend fühlte ich mich körperlich leer und wund und innerlich toste ein Sturm von Fragen und Zweifeln in mir. In der Nacht von Montag auf Dienstag konnte ich kaum schlafen, warf mich von links nach rechts und kam nicht zur Ruhe. Selbstzweifel nagten an mir. Scham färbte mein Herz dunkel. Die Stimme in meinem Kopf sprach kontinuierlich auf mich ein - bis ich realisierte, was für ein alter Film da grade in meinem Kopf lief. Mir wurde klar, dass dieser Film dazu beitrug, dass ich noch kränker war, als zuvor. Dass diese Gedanken alleine mich immer wieder kränker machen würden, als eine Migräne es jemals tun würde. 

Am nächsten Morgen war mein Kreislauf im Keller - kein Wunder ob der mangelnden Nahrungsaufnahme vom Vortag - und ich musste mich einmal mehr durchringen und in der Schule anrufen.

 

An diesem Morgen beschloss ich anzunehmen, was ist! Ich stellte den Tag unter den Leitstern der Selbstfürsorge und konzentriert mich in der Folge darauf, meinem Körper alles zu geben, was er in diesem Moment brauchte - und zwang die Gedanken konsequent zur Ruhe. Am Ende des Tages ging es mir wesentlich besser. Ich fühlte mich ruhiger und klarer und ging am nächsten Tag wieder in die Schule...

 

"Who am I?" - Sklavin meines Egos und meiner Gedanken? 

Wir sind so hart zu uns selbst. Wir zwingen uns zu einem Arbeitsethos, der dem Arbeitnehmer vermeintlich gut zu Gesicht steht, der aber eher nach Maschine, als nach Mensch klingt. Der Motor der Wirtschaft läuft schnell in unserer westlichen Welt - und so ist es auch der Motor in uns, der uns immer wieder zu Höchstleistungen antreibt. Oder sollte ich eher vom inneren Antreiber sprechen!?

Dieser Anteil in mir, der mich in der Vergangenheit schon so oft dazu genötigt hat, über meine Grenzen zu gehen, den Ansprüchen anderer und den eigenen zu genügen nur um am Ende festzustellen, dass ich all diese wieder enttäusche, weil mir unterwegs die Puste ausgegangen ist.

Wer kennt ihn nicht? Diesen harten, unnachgiebigen Anteil in uns selbst...

 

"Who am I?" -  Eine Frage, die bereits seit einer Ewigkeit an einem Schrank in meinem Flur klebt... Eine Frage, die mich regelmäßig beschäftigt. Ein Teil von mir ist dieser Antreiber. Und sicherlich hat er in manchen Situationen seine Berechtigung. Dann, wenn das Tamas in meinem Geist überhand gewinnt und mich nicht ins Handeln kommen lässt. Aber ist es nicht genauso wichtig, zwischendurch einfach mal nichts zu tun und sich dem Moment hinzugeben. Einfach das zu tun, wonach dem inneren Kind gerade ist und sich so die Pausen zu gönnen, die wir so sehr brauchen, um wieder neue Energie zu schöpfen und wieder zu uns zu finden. In diesem Prozess vielleicht wieder ein Teilchen mehr ins Puzzle der Frage nach dem eigenen Selbst legen zu können?

 

"Who am I"? - In erster Linie wohl ein Mensch, der glücklich sein möchte. Einer, der dabei ganz oft auch an andere denkt. Oftmals bevor er an sich selbst denkt und dabei viel der Energie auf der Strecke lässt, die er eigentlich für andere nutzen wollte. 

Was hat mir diese Krankheit einmal mehr gelehrt? Sie hat mich gelehrt, dass jede meiner Krankheiten ein Zeichen dafür ist, dass es Zeit ist um inne zu halten und zu schauen, wo ich mir meine Energie genommen habe, ohne sie mir am Ende wieder durch eine Pause zurückzugeben. Mein Körper ist in diesen Momenten sehr resolut. Unbeugsam beugt er meinen Willen in diesen Situationen und zeigt mir frech die rote Karte und streckt mir darüberhinaus auch noch die Zunge heraus - und vielleicht ist das mein Glück. Vielleicht darf ich dadurch lernen, dass es für mich nur einen Weg aus diesen schambesetzten Zeiten der Krankheit heraus gibt: Anzunehmen was ist und daraus zu lernen, dass es Zeit ist wirklich nach mir zu schauen. Pausen zu machen und "nein" zu sagen. 

 

Gestern habe ich begonnen mit dem Vorhaben "Pausen nehmen". Ich habe mir den Nachmittag "schulfrei" gegeben und habe damit begonnen, das Jahr 2018 zu reflektieren. Die Erkenntnis, dass Kranksein für mich bedeutet, dass ich eine Pause brauche, ist eine der wichtigsten, die ich in diesem Jahr hatte - zugegebenermaßen hatte ich diese schon öfter, aber nicht in dieser Klarheit. 

Für 2019 steht jetzt ganz oben auf der Liste der privaten Vorhaben: Pausen einbauen und mir selbst Gutes tun. 

 

"Who am I?" - Ich weiß es auch nach über dreißig Jahren noch nicht genau. Aber was ich weiß ist, dass ich mich selbst 2019 weiter erkennen lernen, der Stimme meines Herzens folgen und mein Sein durch mehr Liebe und ein weites Herz auf ein anderes Energielevel transformieren möchte. Dabei vertraue ich ins Leben - und in die Weisheit meines Körpers, der mir im schlimmsten Fall halt wieder die rote Karte zeigen muss, wenn ich es wieder nicht gelernt haben sollte. 

 

"Mache dich auf die Suche nach der Geisteshaltung, die mehr als alles andere dafür sorgt, dass du dich zutiefst lebendig fühlst. Dann suche die innere Stimme, die dir sagt: "Dies ist dein wahres Selbst." Nimm beides und folge ihm nach." 

William James

 

In dem Sinne wünsche ich euch allen noch einen wunderschönen und besinnlichen 13. Dezember 2018. Vielleicht nehmt ihr euch ja auch die Zeit euch einmal zu fragen, was dieses Jahr alles gebracht habt. Was ihr erkennen, was ihr lernen durftet und was ihr in diesem Jahr für euch geschafft habt. Es ist so wertvoll, ein Jahr in dem Gefühl abzuschließen, dass man ein glückliches und ein schönes Jahr hatte und was man selbst alles dafür getan hat, um dieses Jahr so zu erschaffen. 

Das Glück liegt in uns - wir müssen es nur finden. 

 

Herzlichste Grüße, 

eure Linda