Die Freude am Planen

Ich liebe es Pläne zu machen, Listen zu schreiben und Aufgaben abzuhaken. Das habe ich schon als Kind großartig gefunden und die Begeisterung für dieses Tun ist mir bis jetzt erhalten geblieben. 

 

Momentan sind Osterferien in Baden-Württemberg. Tage der "Freiheit", die dazu einladen, nichts zu tun, Seminare zu besuchen, die nichts mit Schule zu tun haben, dann doch wieder die Korrekturberge abzuarbeiten, Unterrichtseinheiten in aller Ruhe vorzubereiten, Freunde und Familie zu besuchen, in der Stadt herum zu schlendern, das erste Eis zu essen, am Lieblingsplatz im Freien zu meditieren, laufen zu gehen und die Yogamatte immer dann auszurollen, wenn es einem in den Sinn kommt und so weiter und so weiter....

 

Mich laden sie - wie immer - vor allem aber auch dazu ein, wieder meine Stifte zu zücken, die Bögen Papier vor mir auszubreiten und zu träumen und zu planen. 

Ich schreibe sie alle auf. Meine Pläne und Träume. Und wenn ich sie zwei Mal, drei Mal so ähnlich aufschreibe. Es ist so schön den eigenen Geist in die Zukunft wandern zu lassen, das Herzklopfen, das dabei in der Brust entsteht, zu spüren und die Aufregung zu genießen.

Auf meinen ehemals weißen Blättern überlege ich mir neue Konzepte für mein Baby "Yourcalling", wandle in Auslandsschulen, um dort neue Erfahrungen zu sammeln, ziehe in ein anderes Bundesland, um dort als Lehrerin zu arbeiten und neue Leute kennenzulernen, habe ein Haus am Meer, ein Hund, ein Pferd und ein paar Hühner und lebe das Leben, das ich mir für meine Zukunft wünschen würde. 

Okay, das klingt jetzt erst einmal nicht so sehr nach planen, als viel mehr nach wilder Träumerei á la Pippi Langstrumpf und ja, ich gebe zu, manchmal sieht das Blatt Papier nach einer meiner Sessions wirklich so aus, wie die Welt mir gefällt... Aber das ist auch gut so, denn in meinem Kopf gibt es in solchen Momenten keine Grenzen, nur die, die ich mir selber setze und die sind für gewöhnlich ja in allen unseren Köpfen meistens eher engmaschig gestrickt. Da knotet sich die Erwartungshaltung der Gesellschaft, der Familie oder auch gerne mal unsere eigene an gewachsene Konventionen und Werte und schwupp die wupp erträumen wir uns eine Welt, die uns zwar zu gefallen scheint, die aber ja dann auf den zweiten Blick doch irgendwie eher die von Tante Erna oder Großonkel Gustav zu sein scheint... Dann doch lieber alle Grenzen mal für eine Weile über Bord geworfen und den Pinsel ganz tief rein in die kunterbunte Farbenkiste getaucht. 

Und das Großartige an der ganzen Träumerei: Nach dem Träumen kommt die Phase, in denen aus den Träumen ein Plan und aus dem Plan dann Realität werden kann. So werden aus meinen bunten Visionboards, die hier bei mir im Büro alle Wände schmücken, Pläne mit Visionen und anschließend To-Do-Listen, die mich berauscht zurücklassen, wenn ich am Ende des Jahres in meiner Reflexion feststellen kann, was von all den Punkten, die ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, so ganz nebenbei und peu à peu wirklich umgesetzt worden ist. Nichts gibt mehr Selbstvertrauen und Energie als diese Erkenntnis... 

 

Bei meinem Stadtspaziergang am heutigen Vormittag ist mir eine Zeitschrift in die Hände gefallen, die mir, neben vielen anderen spannenden Themen, auch deswegen so interessant erschien, weil ein Artikel überschrieben war mit: Planen - Warum es uns glücklich macht. 

Also habe ich diese gekauft und für mich geplant, dass ich sie nach dem Einkauf direkt auf unserer Terrasse in der Sonne lesen werde. Und genau das habe ich auch getan! Und was soll ich sagen: Es war herrlich. 

 

Ich durfte nämlich in diesem Artikel lesen, dass planen nicht nur super viel Spaß macht, sondern auch noch, dass es gut für meine Psyche ist das zu tun. Verrückter Weise - so hieß es im Text - leben Menschen, die regelmäßig planen, mehr in der Gegenwart als Menschen, die dies nicht tun. Wobei: Die Erfahrung durfte ich auch schon des Öfteren machen. Wenn ich mir einen Plan gemacht habe - sei es jetzt bezüglich des nächsten Urlaubs, der nächsten Weiterbildungen oder aber wie wir unsere Terrasse für den Sommer gestalten können - dann lebt es sich im Hier und Jetzt viel gelassener und bewusster. Die "Sorgen" um das Morgen habe ich ja schließlich bereits dem Papier anvertraut. 

Pläne geben uns also Ordnung und Sicherheit. Sie tragen aber auch dazu bei, dass wir das Gefühl von Sinnhaftigkeit erleben dürfen. Wenn all unsere Bedürfnisse befriedigt sind, dann folgt bei jedem Menschen irgendwann unweigerlich die Frage, wieso er hier ist. Was sein Leben für ein Sinn hat. Menschen, die dies reflektieren und für sich nicht nur zu einer Antwort, sondern im Hinblick auf diese Antwort auch zu einem "Plan" kommen, die fühlen sich in ihrem Leben wohler, selbstbestimmter. 

Der Artikel hielt noch weitere spannende Erkenntnisse für mich bereit, etwa, dass viele Menschen es als freudiger empfinden ihren Zielen näher zu kommen, als sie letztlich tatsächlich zu erreichen... 

 

Ich für meinen Teil habe mich direkt nach der Lektüre wieder einmal hingesetzt und mit meinen bunten Stiften und meinem neuen Interesse für Sketchnotes eine weitere Vision für mich zu Papier gebracht: Dieses Mal für Yourcalling im Jahr 2025, denn ja, ich hoffe auch nach knapp einem Jahr noch, dass es dieses kleine, mein Unternehmen, auch im Jahr 2025 noch geben wird. Dann - so zumindest meine Vision - mit anderen Schwerpunkten, noch mehr Yoga - in der Gruppe und allein, in der Schule und auch außerhalb -  und noch mehr Coaching - für Schüler und für Studenten, die ihren beruflichen Schwerpunkt suchen und deswegen den iTYPE machen wollen, aber auch für Lehrerkollegen und angehende Lehrer, die sich gestresst fühlen und den Herausforderungen des beruflichen Alltags gelassener entgegen treten wollen und vor allem auch für junge Frauen in Umbruchsituationen, die in ein paar Sitzungen mit einem Coach zu neuer Inspiration, Klarheit und Kraft finden wollen -, neuen Ideen für das Thema Stressmanagement in Schulen und neuen Kommunikationskanälen, aber mit Sicherheit mit genauso viel Begeisterung für die nächsten Pläne für die kommenden fünf bis zehn Jahre. 

 

In dem Sinne wünsche ich euch allen frohe Ostertage und unter Umständen die ein oder andere müßig, glückliche Stunde mit planendem Geist, Papier und Stift. 

 

Auf ganz bald - nach dem Deutsch-Abitur, so ist zumindest jetzt grade der Plan.... 

Eure Linda