Das Leben hier ist ein Wunder...

Jeden Morgen wachen wir auf. Wir öffnen die Augen und wenn wir mit Gesundheit gesegnet sind, dann können wir sehen, was uns umgibt, uns die Augen reiben und dann können wir aufstehen. Alleine das Bett verlassen und unseren Tag beginnen.

Wie oft beginnt dieser neue Tag bereits mit Gedanken wie: "Heute ist wieder so viel zu tun.", "Oh nein, heute wird wieder so ein stressiger Tag auf der Arbeit.", "Ich weiß gar nicht, wie ich das alles schaffen soll." Das Wirrwarr, das Chaos, unser Leben hat uns fest im Griff und vom ersten bewussten Atemzug am frühen Morgen, bis zum letzten kurz vor dem Einschlafen lässt es uns gefühlt kaum los... 

Wir gehen weiter durch den Tag und lassen uns von diesem Leben treiben - und fragen uns vielleicht am Ende des Tages, was uns dieser nun gegeben hat. Habe ich die Begegnungen, mit den Menschen heute wirklich wahrgenommen? Habe ich gespürt, wie es meinem Gegenüber geht? Habe ich ihm wirklich zugehört? Habe ich wirklich gesagt, was mich bewegt? Habe ich das Essen, das ich gegessen habe, wirklich geschmeckt? Was habe ich eigentlich gegessen? Und was dabei gedacht? Welche Gedanken haben mich den Tag über begleitet? Welche waren schön und welche waren traurig oder beängstigend? Waren es eigentlich alles meine Gedanken? Waren es alles meine Bilder? Im Rausch der Fragen und Eindrücke endet der Tag, wir driften in den Schlaf und am nächsten Tag beginnt alles wieder von vorn - bis in alle Ewigkeit. Oder!?

 

Es ist Weihnachten. Weihnachten ist eine Zeit der Besinnung. Für mich zumindest ist es das. Ich nehme mir Zeit für mich. Drücke auf Pause. Manchmal sogar auf Stopp - und halte einfach mal inne. 

Mit den Jahren haben sich Rituale entwickelt, die mir heilig geworden sind und die mich erfüllen, weil sie mich wahrnehmen lassen, was ist. In diesem Wahrnehmen, was ist, kann man die Wunder spüren. Wunder passieren jeden Tag... Ja!? Ja! Und weil mir in diesen letzten Tagen so viele kleine und große Wunder begegnet sind, möchte ich nach so langer Zeit genau darüber schreiben. 

 

Jeden Tag schlagen wir unsere Augen auf. Wir reiben uns den Schlaf aus ihnen und wenn wir mit Gesundheit gesegnet sind, dann können wir sehen und dann können wir gehen. Auf unseren eigenen beiden Beinen das Bett verlassen und den Tag beginnen. Das ist ein Wunder.

 

Die ganze Nacht über haben wir geschlafen. Wir sind in einen Zustand des Unbewussten übergeglitten und haben uns dem Strom des Lebens übergeben in dem Vertrauen, dass wir am nächsten Tag wieder erwachen dürfen. Dass unser Körper in den Stunden, in denen wir uns von den Eindrücken des Tages erholen, verarbeiten, was uns begegnet ist, was wir erleben durften, das seinige tut, um unser Leben zu erhalten. Wir atmen, wir regenerieren. Und am nächsten Morgen erwachen wir erfrischt für einen neuen Tag voller Abenteuer in unserem Leben. Das ist ein Wunder. 

 

Wenn wir uns und unseren Gedanken bewusst sind, dann können wir den Morgen mit Zeit für uns beginnen. Dann können wir uns hinsetzen, einen Moment innehalten und unserem Geist lauschen. Ihn für diesen neuen Tag einstimmen und damit selbst bestimmen, wie dieser neue Tag für uns werden wird. Wir können die Augen schließen, in den Bewusstseinsstrom in unserem Inneren eintauchen und diesem Liebe und Glück und Frieden schenken. Damit ein vollkommen neues Erlebnis erschaffen - für den ganzen Tag, jeden Tag aufs Neue, unser ganzes Leben lang. Das ist ein Wunder.

 

Wir öffnen uns dem Außen und sehen die Sonne aufgehen. Das Licht dieser Sonne unseren Planeten Erde bescheinen, ihm neue Energie schenken. Jeden Tag aufs Neue.... Auch das ein Wunder.

 

... Soll ich weiter machen??? Ich könnte noch so viele weitere Wunder erzählen. Sie schlummern in allen von uns und in jedem einzelnen Moment.

 

Als Kind habe ich geglaubt, dass wir nur die Augen dafür haben müssen, sie überall um uns herum wahrzunehmen. Ich habe sie überall zu finden versucht - und mit dieser kindlichen Neugierde und der kindlichen Phantasie, mit der ich damals gesegnet war, habe ich sie jeden Tag aufs Neue und in jedem bewussten Moment für mich entdecken können. Ich habe geglaubt, dass der Wald, durch den ich gehe, voller magischer Wesen ist, dass sie alle ihr Leben, ihre Seelen haben und dem Rhythmus des Lebens auf ihre so eigene Art und Weise folgen... Und - ist dem nicht auch so? 

 

Wir lernen, dass wir in unserer Gesellschaft Rollen übernehmen sollen, um ein Teil dieser werden zu können. Wir lernen, dass wir uns Konzepten wie Zeit und Raum unterwerfen sollten, damit wir Termine einhalten, damit wir uns dem Arbeitsrhythmus unterwerfen können, der irgendwann einmal "für uns" erfunden wurde - damit wir Teil dieser bunten Konsumwelt sein können und uns unsere Träume irgendwann werden erfüllen können... All das und noch so viel mehr lernen wir und vergessen darüber, dass es noch mehr gibt als das, was es im Außen zu erreichen gibt.

 

Doch das Schöne ist - wir können diesen Rollen unseren eigenen Anstrich verleihen und die wunderwahrnehmenden Augen unserer Kindheit auch diesen Erwachsenen schenken. Unserem Leben dadurch ein ganz neues Gefühl schenken, denn wer liebt es nicht, Wunder zu entdecken? Sich an Neuem oder auch Bekanntem zu erfreuen? Und wer weiß, was passiert, wenn jeder von uns jeden Tag wieder für sich auf die Suche nach ihnen geht... Nach den kleinen Wundern in ihm und um ihn herum. 

 

Vor Kurzem wurde ich gefragt, welches Problem die Politik nicht lösen kann... Ich musste nicht lange überlegen und habe gesagt, dass ich denke, dass es die mangelnde Selbstliebe jedes Einzelnen ist. Denn diese müssen wir in uns selbst wieder finden... Für mich beginnt sie auch damit, wieder Wunder in uns und in unserem Alltag wahrzunehmen. Unserem inneren Kind die Freunde und die Ausgelassenheit eines wundervollen Augenblicks zu schenken - wie auch immer dieser für jeden Einzelnen von uns aussehen mag.

 

Ich bin mir sicher, dass die Welt eine andere wäre, wenn wir diese Gabe unserer Kindheit nicht verlieren würden. Ich bin mir sicher, dass es eine gerechtere, liebevollere, eine buntere und eine schönere Welt wäre.

Momentan macht sie mich oftmals traurig, diese unsere Welt. Wegen dem, was wir aus ihr machen und manchmal denke ich, dass es doch eigentlich egal ist, was ich mache, dass ich an ihr und ihrem Zustand nichts ändern kann...

 

Aber ich weiß eigentlich, tief in meinem Herzen, dass das nicht wahr ist. Dass das nur die Angst ist, die da aus mir spricht. Denn die Liebe in mir weiß, dass wir alle einen Unterschied machen. Wenn wir aufstehen und mit unseren wunderwahrnehmenden Augen der Kinder in uns sehen können, welches Wunder dieses Leben ist und dass es sich lohnt für dieses Wunder jeden Tag aufs Neue aufzustehen und unseren Teil dazu beizutragen, dass diese Welt wieder ein besserer Ort wird. 

 

Denn dieses Leben hier ist ein Wunder... Und Wunder sind es wert sie zu schützen. Oder etwa nicht?

 

In dem Sinne wünsche ich auch allen wundervolle Weihnachten - nehmt euch Zeit für euch, Zeit um inne zu halten und wahrzunehmen, was ist. In euch und um euch herum.

 

Wir hören, lesen und sehen uns im neuen Jahrzehnt. Auf dass die Zwanziger golden werden mögen - und dieses Mal im besten Fall besonders in unserer aller Herzen.