Über die Beständigkeit des Suchens...

Jeden Morgen wache ich auf und mein Geist plappert. Ich selbst bin noch nicht einmal ganz wach und schon ist er da und erzählt mir, wie aufregend das Leben doch ist und was ich alles heute, morgen und generell mit meinem Leben so machen könnte. Inzwischen schmunzle ich ganz oft über den kleinen, aufgeweckten Mann in meinem Kopf, aber bisweilen treibt er mich in den Wahnsinn. Dann heißt es tief ein- und ausatmen und erst einmal wieder aus dem Kopf rauskommen. In solchen Momenten bin ich so dankbar dafür, dass ich Yoga kennenlernen durfte. Ich weiß gar nicht mehr, wie es in meinem Kopf abgegangen ist, bevor ich die Techniken der Meditation und des Prāṇāyāmas kannte. Das ist vermutlich auch ganz gut so, denn es war bestimmt echt chaotisch. Woran ich mich erinnern kann, ist, dass es für einiges an Chaos im Außen gesorgt hat. In meinem eigenen Leben und manchmal auch in dem Leben meiner Liebsten. Und so ist es wirklich gut, dass ich heute dem kleinen Mann am Hosenbein zupfen kann, wenn ich mich auf mein Meditationskissen setze und ihn erst einmal wieder zur Besinnung bringe. 

 

In der vergangenen Woche war ich auf einer Weiterbildung. Es ging um das Thema Yogatherapie. Konkreter haben wir uns mit sämtlichen Bereichen des menschlichen Körpers von der LWS abwärts in Richtung Füße befasst. Das war super spannend und mein Kopf in seinem persönlichen Schlaraffenland. Dass er nebenbei noch Gedichtinterpretationen korrigieren durfte, kam ihm grade recht, denn so hatte er Schule und Yoga in einem. Etwas besseres kann meinem Geist fast gar nicht passieren. Meint er. Denn oft ist er dann maßlos und dann schweift er ab. Will immer mehr und mehr wissen und denkt über allerlei weitere Aus- und Weiterbildungen nach, für die er dann mein Herz erwärmt. 

Weil ich um diese Neigung weiß, habe ich mich in der letzten Woche immer wieder hingesetzt und all die Gedanken aufgeschrieben, auf die mein Geist gekommen ist. Ich war mal wieder auf der Suche nach einem roten Faden. Klar - irgendwie ist er offensichtlich. Alles in meinem Leben hat irgendwas mit Lehren oder Lernen zu tun. Es geht oftmals um Gesundheit oder Psychologie im weitesten Sinne - aber wenn mein Kopf solche Loopings fährt und mein Geist sich wie in der Achterbahn fühlt und mein Herz so langsam das Gefühl bekommt, da nicht mehr hinterher zu kommen, da stellt sich für mich automatisch wieder die Frage nach dem Warum...

 

Warum - das habe ich schon einmal in einem Beitrag versucht in Worte zu fassen. Ihr seht. Es beschäftigt mich noch immer. 

Warum Yoga, warum Coaching, warum Ayurveda und warum trotz all dem noch Schule. 

Das schöne an dem oftmals gestellten warum ist, dass es für mich gefühlt immer klarer wird. Ihr seht - gefühlt. Nicht durchdacht...

 

Heute saß ich an meinem Schreibtisch, habe den Katalog der Universitätsbibliothek nach Veröffentlichungen zum Thema Positive Education durchforstet und dabei den Tischkalender weitergeblättert. Ein Impuls, den ich dann und wann habe. Dann, wenn der Spruch, der dort aufblitzt, mein Herz nicht mehr berührt. Ein mal gewendet kam der Satz "Yoga ist nicht, den Geist zu bändigen, sondern Yoga ist, sich für eine bestimmte Richtung zu entscheiden und dieser dann kontinuierlich zu folgen." zum Vorschein. 

Meine Finger ruhten für einen Moment auf der Tastatur und mein Geist war einen Augenblick lang vollkommen klar. 
Der Satz zu meinen Gedanken der letzten Woche. Eine bestimmte Richtung auswählen und dieser dann kontinuierlich folgen... Das mache ich nun schon seit ich mich im August 2015 dazu entschieden habe, dem Pfad des Yogas weiter zu folgen. Seit ich die Coaching-Ausbildung begonnen und die Yogalehrerausbildung entdeckt hatte. Und mit jedem Schritt auf diesem Pfad bin ich tiefer in den Bann dieser Themenbereiche geraten und habe mehr und mehr Schnittmengen in meinem beruflichen Alltag entdecken dürfen. 


Ich bin so dankbar für all die Erfahrungen und all die Erkenntnisse der letzten viereinhalb Jahre. Ich kann noch nicht wirklich glauben, was ich in dieser Zeit alles geschafft und alles auf die Beine gestellt habe und manchmal ist es mir immer noch nicht genug. Ich will dann mehr - mehr helfen, mehr verändern. Für die Schüler. Für meine Kollegen. Für Schule allgemein. Mein größter Wunsch ist es, dass Schule ein gesünderer Ort wird. Einer, der den Lehrern und den Schülern gleichermaßen gerecht werden kann. Einer, an dem Kinder und Jugendliche zu selbstbewussten und selbstbestimmten, neugierigen und glücklichen jungen Erwachsenen heranwachsen dürfen. Junge Erwachsene, die es so gestärkt schaffen, all die Herausforderungen unserer verrückten, sich jeden Tag ändernden Welt zu bewältigen und dabei ihr Leben leben zu können. 

 

Für dieses Ziel bin ich unbewusst im August 2015 losgegangen und dieses Ziel habe ich unbewusst nicht einen Tag seitdem aus den Augen verloren...

Ich bin sehr gespannt, wo dieser Weg mich noch hinführen wird und bin mir zugleich sicher, dass er weiterhin aufregend und manchmal überwältigend aber alles in allem einfach wundervoll werden wird.