Unterrichten in Zeiten von Covid-19

Ein Virus hält unseren Alltag fest in seinem Griff. Schon seit Wochen - seit der Rückkehr aus den Faschingsferien hier in Baden-Württemberg - beherrscht er die alltäglichen Gespräche innerhalb und außerhalb der Schule. Immer enger zieht er seine Kreise, bis in den letzten Tagen Unterrichten quasi unmöglich wurde. Die überall präsente Frage: Wann werden die Schulen geschlossen? Das ob war irgendwann obsolet geworden.

 

Nun ist es soweit. Unsere Landesregierung hat sich am Freitag, den 13.03.2020, dazu entschieden, die Schulen ab Dienstag, den 17.03.2020, bis nach den Osterferien geschlossen zu lassen. Und jetzt?

Schon seit Tagen gehen Hashtags wie #unterrichtendigital und #schulschließungen viral im Netz. Heute Morgen nun hat @blume_bob auf Twitter zur #blogparade #unterrichtendigital2020 aufgerufen und nachdem nun meine Korrekturen für Montag erledigt sind und ich sichergestellt habe, dass meine drei 8. Klassen ihre Geschichtsarbeiten zurückbekommen, ohne fünf Wochen auf diese warten zu müssen, habe ich endlich Zeit meine eigenen Gedanken zu diesem Thema in die Tasten zu hauen.

 

Unsere Schule ist bereits auf dem Weg. Wir haben seit 2017, da wir Teil des Tablet-Versuchs in Baden-Württemberg sein dürfen, vier Klassen, die eigene iPads zur Verfügung haben. Im Zuge dieses Versuches wurde unser Gebäude zum Teil umgerüstet und einige der Kollegen sprangen sukzessive auf den Zug der Digitalität auf und nutzten mehr und mehr die Möglichkeiten der neuen Medien für ihren eigenen Unterrichtet. 

Heißt das, das wir nun besonders gut auf diesen vollkommen neuen Zustand vorbereitet wären? Nicht wirklich. Wir sind genauso überrascht und genauso überrumpelt, wie viele, viele andere Kollegien in Deutschland das derzeit sind.

Was wir aber haben sind Ideen und  Netzwerke unter den Kollegen und das beides stimmt mich zuversichtlich, dass dieses zugegebenermaßen unfreiwillige Experiment, dem wir nun alle unterzogen werden, die ein oder andere positive Erkenntnis für uns hervorbringen wird. Ein Engerrücken, ein Austausch im Lehrerzimmer - genau das ist es, was ich persönlich mir nun schon seit einiger Zeit ganz dringlich gewünscht habe. Also - I'm all in.

 

Wie gehen wir nun also vor? Nachdem bereits letzte Woche angeregt wurde, dass wir einen Notfallplan haben sollten, falls es tatsächlich zu Schulschließungen kommen sollte, hat unsere Schulleitung gemeinsam mit Kollegen einen Plan erstellt, nach dem die Klassen 5-10 unterrichtet werden. Jede Klasse bekommt nun durch die Klassenlehrerkraft am Morgen über unsere schulinterne Austauschplattform filr Aufgaben zur Verfügung gestellt. Am nächsten Tag gibt es zu diesen die Lösungen und die nächsten Aufgaben - bis zum Tag vor den Osterferien soll so sichergestellt werden, dass die Schüler die Schule nicht gänzlich aus den Augen verlieren... Die Schüler unserer JS1 und JS2 werden individuell von den Fachlehrern per E-Mail mit entsprechenden Aufgaben versorgt.  Ein von Anhängern der Digitalität sicherlich zu bemängelndes Vorgehen, da wir analoge Aufgaben einfach in die digitale Welt übertragen, ohne dessen viele Vorzüge wirklich zu nutzen - aber in Zeiten der sehr kontrovers angesehenen Digitalisierung - zumindest in unserem Lehrerzimmer -  auf jeden Fall ein umsetzbares Unterfangen. Irgendwo muss man ja mal anfangen, nicht war?! 

 

Da ich die große Ehre habe, unsere Tablet-Klassen in Geschichte zu unterrichten, profitiere ich nun zudem davon, dass sie ihre bereits begonnen Projekte zum Kalten Krieg und zum Imperialismus gut vernetzt von zu Hause aus bearbeiten können. Wir werden uns einmal wöchentlich in kurzen Videokonferenzen treffen, um Fragen und Unklarheiten auszuräumen und gegebenenfalls in kleinen Gruppen noch an Aufgaben zu feilen. Dazu werde ich vermutlich auf https://jitsi.org zurückgreifen. 

 

Auch meinen 5-Stünder in Deutsch werde ich - hoffentlich und wenn die Schüler mitmachen - regelmäßig virtuell auf https://jitsi.org treffen, um gemeinsam über die Aufgaben zu diskutieren, neue Impulse in Kleingruppen reinzugeben und so zu gewährleisten, dass der Austausch und die Diskussion über den Goldnen Topf und den Steppenwolf bis zur nächsten Klausur nach den Osterferien nicht ganz zum Erliegen kommt. In dem Zusammenhang werde ich sowohl auf eigene Präsentationen, wie auch auf kollaboratives Arbeiten mit Tools wie https://edupad.ch zurückgreifen... 

 

Ich bin sehr gespannt und in meinem Kopf springt vieles noch munter hin und her. Es wird nicht alles glatt laufen und es wird sicherlich technische Herausforderungen zu meistern geben, zudem ist auch klar, dass die Schülerinnen und Schüler viel stärker in die Selbstverantwortung genommen werden. Trotzdem ist klar, ich freue mich auf die kommenden Wochen und werde berichten, wie es nun im Alltag wirklich vonstatten geht. 


Vor allem aber weiß ich schon jetzt, dass ich mich nach den Osterferien noch viel mehr auf meine realen Klassen freuen werde, als das normalerweise ohnehin der Fall ist - und vielleicht trägt alleine schon das dazu bei, dass die ganze Situation etwas Gutes hat - dass wir alle wieder zu schätzen wissen, was wir eigentlich im normalen Alltag für ein Glück haben, jederzeit in eine Welt hinaustreten zu können, die uns positiv gesonnen ist und in der wir uns in einen analogen und vielseitigen Austausch mit anderen begeben können.

 

Aber das ist heute Zukunftsmusik - nun stehen erst einmal Wochen des Rückzugs und der Auseinandersetzung mit neuen Möglichkeiten an. 

 

Ich habe mir vorgenommen es als Herausforderung und auch ein klein wenig als Spiel zu sehen - denn Spielen setzt Kompetenzen wie Kreativität und Lösungsorientierung frei und das sind doch grade genau die, die es braucht, oder?

 

Ich wünsche euch allen einen schönen Samstag, ein ruhiges Wochenende und allen Lehrerinnen und Lehrerin und Schülerinnen und Schülern in Baden-Württemberg am Montag einen guten, vorerst letzten Schultag in diesem Schuljahr.

 

Bleibt gesund und auf bald, 

eure Linda