Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg

Als ich ungefähr 14 war, begann ich mir die Fragen zu stellen: Who am I? Why am I here? 

In meiner jugendlichen Neugierde begab ich mich auf die Suche nach Antworten in meinem Innern. Die Antworten, die ich fand, waren allerdings nicht wirklich erbauend und so litt ich jahrelang an dem Gefühl des Scheiterns, da ich mir selbst diese Fragen nicht beantworten zu können schien. Was ich spürte war ein Riss, der mich durchzog. Ein Gefühl der Unvollständigkeit, das dazu führte, dass ich immer mehr Durst nach dem Wissen verspürte.

Jahre später, mitten in meinem Studium der Germanistik, fand ich heraus, dass ich mit dieser Suche nicht allein war. Ich machte die Erfahrung, dass viele der Literaten, deren zum Teil bereits jahrhundertealte Werke ich nun lesen sollte, die selben Fragen ans Leben gestellt hatten. Mein Herz wurde dadurch leichter, aber den Antworten war ich dadurch nicht näher gekommen. 

In meinem noch immer jugendlichen Empfinden machte ich zu jener Zeit Erfahrungen, die stark darauf bezogen waren, im Außen gefallen zu wollen. Auch wenn ich das Gefühl hatte, dass ich entgegen meiner eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen agierte, war es mir doch zu wichtig, vor anderen bestehen und anderen gefallen zu können. 

Zu einem Zeitpunkt, an dem sich in mir durch mein vorheriges Verhalten so viel Schmerz angesammelt hatte, dass ich ihn nicht mehr in mir tragen konnte und ich immer mehr das Gefühl hatte, dass ich so überhaupt nicht das Leben führte, das ich wirklich führen wollte, begann ich mich wieder mit einer neuen Intensität mit den Fragen aus meiner Jugend auseinanderzusetzen: Who am I? Why am I here?

Genau dies war der Moment, in dem ich mit Coaching, mit Yoga und dann auch später mit Ayurveda in Berührung kam und mir mit jedem Schritt, den ich auf diesem ganzheitlichen Weg voranschritt, sicherer wurde, dass ich mich heilen und dass ich mich selbst kennenlernen wollte. Dass ich den Schmerz der Unvollständigkeit auflösen lernen wollte und ein Leben nach meiner inneren Stimme führen wollte. Ich begann meinem "Calling" zu folgen.

 

Kennst du dieses Gefühl der Unvollständigkeit? Kennst du diese Fragen nach dem Wer und nach dem Wozu bin ich hier? Was ist der Sinn in all dem?

Bestimmt. Sie sind uns allen wohl bekannt... Manch einer setzt sich mehr, manch einer eher weniger intensiv mit ihnen auseinander. 

Wie schon in der Zusammenfassung erwähnt, rief bereits Heraklit, ein Philosoph der Antike, dazu auf, den Blick nach innen zu wenden. Bei Novalis, einem der großen Romantiker des 18. Jahrhunderts heißt es: "Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft."

Beide rufen uns auf, unseren Blick nach innen zu wenden und Introspektion zu betreiben. Was finden wir, wenn wir den Blick nach innen wenden?

 

Fragen wir den Yoga, so wird uns bewusst, dass dieser bereits seit mehreren tausend Jahren auch eben genau dies empfiehlt: das zur Ruhe kommen des Geistes, um das eigene Selbst, das wahre Wesen erforschen zu können. In diesem Erforschen erfahren wir den Kern unserer Gedanken, unserer Emotionen und Motive. Wir werden uns über unsere Prägungen (Samskaras) bewusst und mit den mit ihnen verbundenen Glaubenssätzen vertraut. Befassen wir uns mit diesen zum Teil Jahre alten Mustern, so wird uns klar, wieso wir uns in bestimmten Situationen auf die immer selbe Art und Weise verhalten. Wieso wir Angst verspüren... Uns selbst zurückhalten. Anhaften an bestimmten Gegenständen, Menschen, Verhaltensweisen, Erinnerungen oder Orten. 

Damit weist uns Yoga den Weg nach Innen, um uns zu veranschaulichen, wo wir Potentiale nicht leben, weil wir uns durch unsere Prägungen zurückhalten und in Anhaftendem verwickelt sind.

 

Wie schafft Yoga diese Art der Introspektion?

Vereinfacht gesagt führen viele Wege im Yoga immer wieder zu dem einen Ziel: dem Versunkensein in Meditation

Wenn du noch nicht viel Erfahrung mit Yoga und Meditation hast, dann ist eine gut angeleitete Asana-Praxis ein super Hilfsmittel, um den Geist zu beruhigen und so anschließend in mehr Ruhe mit sich in der Meditation sein zu können. Dann ist unser Affen-Kopf ein bisschen weniger sprunghaft, unser Welpen-Geist schon ein bisschen daran gewöhnt, in seinem Körbchen zu bleiben. In der Meditation üben wir loszulassen - uns auf den Moment einzulassen. Und durch das Loslassen kommen wir mit unserem Geist, den Gedanken und unseren Gefühlen in Berührung. Manchmal ist das unfassbar anstrengend und auch nicht wirklich "klärend". Aber je öfter man sich die Zeit nimmt, sich selbst in der Meditation zu begegnen, desto mehr Klarheit erreicht man über sich - desto mehr kommt man mit seiner eigenen inneren Stimme wieder in Berührung. 

 

Auch die ayurvedische Psychologie befasst sich mit der Frage, wie der Mensch wachsen und sich entfalten kann, wie er zu mehr Einsicht über sich selbst kommen kann. Jean-Pierre Crittin schreibt in seinem Werk 'Wachstum und Entwicklung': "Das verborgenste, tiefste und wirksamste Potential liegt im Kern eines Menschen, in seinem wahren Selbst." (S.12).  

Dieses wahre Selbst, bei uns die Seele, für mich immer der goldene Kern eines jeden Menschen, ist in der ayurvedischen Psychologie Teil einer komplexen Psyche eines jeden Menschen, die sich in verschiedene Ebenen aufteilt. Den äußeren, den mittleren und den inneren Geist. Ähnlich wie der Yoga geht der Ayurveda davon aus, dass wir ein Ego haben, das mit dem Außen befasst ist und auch der Ayurveda spricht von Prägungen, die unser Verhalten und unser Denken beeinflussen. 

Unser persönliches Wachstum wird in der Vorstellung der ayurvedischen Psychologie ebenfalls maßgeblich dadurch unterstützt, dass wir uns mehr auf unser Innerstes besinnen. Unserer Intuition (im Ayurveda Buddhi genannt) mehr vertrauen und ihr mehr Beachtung schenken. 

Schritte, die die ayurvedische Psychologie uns an die Hand gibt, um dies zu erreichen - um ebenfalls wieder von Anhaftungen loszukommen und uns mehr und mehr für unsere wahre Natur zu öffnen und diese zu leben - sind die Entscheidung dafür loszugehen und dann die Selbstreflexion, die Achtsamkeit und ebenfalls die Gedankenbeobachtung in der Meditation.

Große Worte. Ich weiß, dass sie abschrecken können. Dann kommt unser Ego und sagt: Das schaffst du sowieso nicht. Du hältst das nie durch. Und so weiter, und so weiter.

Und damit sind wir wieder voll in der Angst und in den Anhaftungen, voll in dem Teil von uns, der uns in der Komfortzone halten und uns vor Schmerz und Verlust bewahren will. Und ganz ehrlich - das ist vollkommen okay. Was phantastisch ist, ist wenn wir lernen dem nicht mehr immer und immer wieder nachzugeben, sondern bei unserer Entscheidung zu bleiben und achtsam zu beobachten, was grade passiert... Dann tauchen wir ein in dieses "Innen" von dem Novalis spricht, in dem wir die Vergangenheit und die Zukunft finden. Denn alles ist in diesem Hier und Jetzt. 

Schöne Fragen, die uns unserem Buddhi näher bringen und die wir auch ohne das Ego allzu sehr zu reizen, immer wieder in unseren Alltag einbinden können sind: Tut mir das grade wirklich gut? Ist mir das grade zu viel, oder zu wenig? Was ist gesund für mich?

Diese Fragen sind eng verbunden mit der Achtsamkeit. Mit dem Bewusstsein für das Hier und Jetzt. Und sie führen uns von dem Kopf zurück in unseren Körper, denn sie laden uns ein zu fühlen. 

Probiere es doch einfach mal aus. 

 

Wenn wir die Brücke zum Coaching schlagen, dann fällt auf, dass dort wenig konkrete Informationen zu finden sind. Coaching ist noch immer ein sehr offener Begriff und die Wissenschaft hat noch nicht wirklich Einzug gehalten in dieses Feld, auf dem sich inzwischen so viele Coaches tummeln und mit ihren Impulsen in vielen Fällen auch gute Arbeit leisten, ihre Klienten auf dem Weg zu mehr Selbsterkenntnis zu begleiten...

Eine Theorie, die „Theorie der Selbstaufmerksamkeit und Selbstreflexion“ von Frey, Wicklund und Scheier (1984) lässt sich finden, wenn man nach Selbsterkenntnis und Coaching sucht. Diese geht von drei "Stufen" der Selbsterkenntnis aus: 

  • Selbstaufmerksamkeit (ein Zustand)
  • Selbstkonzept (was jeder individuell über sich selbst denkt)
  • Selbstreflexionsprozesse (der Vergleich zwischen realem und idealem Selbstkonzept)

Selbstreflexion ist dabei die letzte der "Stufen". Zunächst geht man davon aus, dass man sich sich selbst aufmerksam zuwendet, dann erkennt man sein Selbstkonzept um dieses dann anschließend mit dem idealen Selbstkonzept in einem Reflexionsprozess zu vergleichen. Diese Art der Reflexion führt in den meisten Fällen zu einem Gedankenkreisen, das oftmals auch kein Ende zu finden scheint. Ich selbst kenne diese Art des Vorgehens nur zu gut, war das es doch, was ich bis 25 ewiglich versucht habe, um meinem eigenen Selbst auf die Spur zu kommen und Antworten auf meine Fragen zu finden. Ich habe mich zunehmend im Kreis gedreht - schneller und schneller, meist ohne "wirkliche" Erkenntnis. 

Genau aus diesem Grund ist Selbstreflexion oftmals auch nicht wirklich beliebt. Diese Art der Selbstanalyse wird meist geprägt durch unsere Glaubenssätze und andere innerpsychische Vorgänge, was der Grund ist, wieso ein Impulsgeber von außen, in den meisten Fällen ein Coach, der sich auf persönliche Beratung spezialisiert hat, hilfreich sein kann. Der Coach kann helfen die eigenen Gedanken zu systematisieren und dient als Impulsgeber um auf der Metaebene betrachten zu können, was aus dem eigenen Inneren heraus oftmals zu noch mehr und mehr "Chaos" führt. Im "Spiel" mit den Gedanken in einem sicheren Raum gelangt der Klient in vielen Fällen zu einer neuen Form des sich selbst bewusst Seins und damit zu einer neuen Form der Selbsterkenntnis. Oftmals sind diese Prozesse ebenfalls verbunden mit Loslassen von Glaubenssätzen oder Schuldzuweisungen oder "falschen" Vorstellungen, oder, oder, oder. 

Wer sich nicht mit einem Coach an diese Form der Selbstanalyse ran wagen möchte, aber sich trotzdem eher in dem Reflexionsprozess mit dem Tagesbewusstsein zu Hause fühlt, kann unter Umständen in einem Schreibgespräch zu einer anderen Form der Klarheit finden. Wichtig wäre auch hier wieder das genaue Hinterfragen und das sensible Bewusstwerden von Ängsten, die uns lenken oder zurückhalten oder Anhaftungen, die uns unsere Potentiale nicht leben lassen...

 

Es ist super, super befreiend, sich von alten Vorstellungen und Glaubenssätzen zu lösen und so wertvoll, sich wieder mehr mit dem eigenen Selbst zu verbinden. 

 

Fühlt euch eingeladen euch ebenfalls auf die Suche zu begeben. Es gibt nichts Schöneres, als sich selbst immer mehr und mehr zu entdecken. Seid euch gewiss, dass ihr nie wieder aufhören mögt - und dass dies der Beginn eines lebenslangen Prozesses ist. 

 

Falls ihr weitere Impulse sucht, weil ihr auch - wie ich jahrelang - der Meinung seid, dass ihr nicht das Leben führt, das ihr eigentlich führen wollt, haltet Ausschau nach weiteren Informationen zu meinem Webinar, das in den nächsten Wochen fertig werden dürfte. Die genauen Daten wird es dann auf jeden Fall hier auf der Seite unter Coaching und auch auf Instagram geben. 

 

Passt gut auf euch auf und bleibt gesund, 

Eure Linda 

 

PS: Für alle, die gerne philosophisches und psychologisches Wissen verbinden mit der Weisheit der Sterne: Es gibt einen super schönen Artikel von Luisa Hartmann zu den momentan rückläufigen Planeten und die damit einhergehende Tendenz des nach Innen Gehens.( https://inlovewiththestars.com/2020/05/11/saturn-wird-ruecklaeufig-vom-11-05-bis-zum-29-09-2020/)